Denise (24) “Ich hatte Angst vor der Geburt”

„Der Gedanke daran, dass ich schwanger war und in neun Monaten ein zweites Kind haben würde, tat weh.“ Die 24-jährige Denise (Foto) sagt dieses nicht, weil sie ihr Baby ablehnte, sondern weil sie nicht wusste, wie sie es versorgen sollte.

Denn Denises kleine Familie war so arm wie alle anderen Menschen in ihrem Viertel der Hauptstadt Ouagadougou in Burkina Faso. Seit vier Jahren lebte sie hier mit ihrem Mann Ismael, einem Pflasterer. Obwohl erst Anfang dreißig, ist Ismaels Körper von harter Arbeit und den Folgen von Krankheit gezeichnet. Nur unregelmäßig findet er Aufträge. Durch die Hilfe von Verwandten hatte Denise einen Verkaufsstand für Getreide betreiben können. Mit den Einnahmen konnte sie Gemüse fürs Essen und Kleidung für ihren Sohn und ihren Mann kaufen. Doch als ihr Mann operiert werden musste, ging alles Ersparte verloren. Denise hatte kein Geschäft mehr, einen kranken Mann und wachsende Ausgaben. Und nun war sie wieder schwanger.

„Ich ging zu keiner Vorsorgeuntersuchung“, erzählt sie. „Wir hatten Angst vor ärztlichen Rechnungen und Krankenhauskosten.“ Selbst als es ihr schlecht ging, besuchte sie keinen Arzt. „Ich betete jede Nacht darum, den nächsten Morgen erleben zu dürfen. Und ich betete, dass das Kind in meinem Bauch nicht sterben würde.“ Ihr Kind überlebte, doch die kleine Louise wurde in ein ungewisses Leben hineingeboren. Jeden Tag ging Denise durch die Nachbarschaft, mit Louise auf dem Rücken, auf der Suche nach irgendeiner Arbeit. Eines Tages, als sie einer Frau half, Getreide zu worfeln, sah sie Mitarbeiter einer christlichen Gemeinde mit Frauen sprechen. Neugierig kam sie dazu. Die Mitarbeiter luden die Frauen ein, sich dem neuen Mutter-Kind-Programm der Gemeinde anzuschließen. Nach einem Besuch im Zuhause der Familie wurden Denise und ihr Baby aufgenommen.

„Unser Programm will Mutter und Kind gegen Krankheiten durch schlechte hygienische Bedingungen schützen“, sagt Chantal Sawadogo, die das Programm der Gemeinde für 46 Frauen leitet. „Babys unter drei Jahren sollen eine höhere Überlebenschance bekommen und die Mütter durch einkommensfördernde Maßnahmen selbständig für ihre Familien sorgen können.“ Oft lernen die jungen Frauen im Mutter-Kind-Programm dazu handwerkliche Fähigkeiten oder überhaupt Lesen und Schreiben. „Niemand schläft mehr hungrig in unserem Zuhause“, bemerkt Denise zu ihrem Mann. „Weißt du noch, wie es uns vor nur vier Monaten ging?“

Serge Ismael Ouedraogo, Compassion Burkina Faso

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